Es gibt Songs, es gibt Platten, die einen nach den ersten Takten sofort wieder an den Ort bringen, wo man sie besonders intensiv gehört hat.
Sobald der Opener „Jaded Eyes“ von der wundertollen „You“ von Government Issue läuft, sitze ich wieder im Garten meiner Großeltern, spüre die Sonne in meinem Gesicht und habe meinen Walkman im Schoß liegen…Those were the days.
Wenn man sich aber den Anfang der Band betrachtet, so konnte man sich dort noch kaum vorstellen, dass diese einmal später für diese wundervollen emotionalen Rock-Songs verantwortlich sein würden, die mir den Soundtrack meiner Jugend bescherten.
Gegründet 1980 spielte die D.C. – Band hauptsächlich angepissten, politischen Hardcore-Punk, mit Songs die selten länger als eine Minute waren. Classic Stuff eben. So tummelten sich denn auch Legenden wie Brian Baker (Minor Threat, Dag Nasty, Bad Religion) oder Mike Fellows (Rites of Spring) in der Band. Dreh- und Angelpunkt der Gruppe war aber von Anfang an John Stabb (der im August 2007 so dermaßen zusammengeschlagen wurde, dass Benefizkonzerte zur Bezahlung seiner Operationen gespielt wurden). Da dieser einen Straight-Edge Lebensstil verfolgte wurden G.I. auch gerne in diese Schublade eingeordnet.
Die Besetzung, die aber die für mich wichtigen Platten einspielte, umfasste Drummer Peter Moffett, Gitarrist Tom Lyle, Bassist Jay Robbins (der sich auch für das tolle Artwork verantwortlich zeigte) und Mr. Stabb.
Mit „You“ hat diese Besetzung eines der tollsten, nennt es meinetwegen „Alternative-Rock“, Alben der Musikgeschichte eingespielt.
Die „Szene“ reagierte natürlich auch schon damals mit gemischten Gefühlen auf so einen Richtungswechsel, deswegen sah sich Stabb genötigt diese Erfahrungen gleich in dem Song „Hole in the Scene“ zu verarbeiten: „There´s a hole in the scene, where the brain used to be“.
In Deutschland auf „We Bite“ erschienen umfasste diese Platte 11 Songs, die auch heute noch alles überstrahlen. Die exaltierte Stimme Stabbs, dieses unheimlich dynamische Rock-Schlagzeug, wahnsinnige Bass-Linien und die Rock-Akkorde machen diese Platte zu einem einzigartigen Gebräu der damaligen Musik-Szene. Die Scheibe ist so dermaßen gut produziert, so dass man wirklich das Gefühl hat mitten in einem Konzert der Band zu stehen. So was geht den heutigen Produktionen ja inzwischen völlig ab.
Jeder Song ein Treffer, der mir das „Air-Drumming“ injizierte, dass ich bis heute nicht mehr losgeworden bin.
Der Nachfolger „Crash“ war auch noch sehr gut, aber die Hits waren nicht mehr so präsent.
Jay Robbins wurde danach zu dem nimmermüden Arbeitstier, das wir heute kennen (Jawbox, Burning Airlines, Channels, Über-Produzent), während die anderen Mitstreiter nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen konnten. Moffett spielte noch bei Burning Airlines und Wool das Schlagzeug, Tom Lyle brachte noch zwei erfolglose Hard-Rock Platten heraus und das war es eigentlich an Nennenswerten.
Wie wichtig diese beiden letzten Platten für die nachfolgende melodisch veranlagte Hardcore-Generation war, kann man sehr schön an der Split-Single von Hot Water Music und The Casket Lottery sehen, die jeweils einen Song von G.I. aus dieser Phase covern. Natürlich haben sich HWM den Überhit „Jaded Eyes“ ausgewählt.
Wer schnell alles von der Band haben möchte sollte sich die Complete Discography auf CD holen. Mehr Spaß macht es aber sich wenigstens die letzten beiden Alben, in der wundervollen farbigen Vinyl-Version, auf Ebay zu besorgen.
Government Issue – Jaded Eyes & Mad at myself (live 1988)
Weiterführende Links:
www.dischord.com/band/governmentissue
www.myspace.com/governmentissue1 (2 Jahre nicht aktualisiert)
www.secondnaturerecordings.com
Rating:
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