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Artist: Nick Drake

Title: Fruit Tree Box Set

Label: Island /Universal

Classics

Nick Drake – Fruit Tree Box Set


Das vorliegende Box-Set “Fruit Tree” umfasst alle regulären Alben des leider viel zu früh verstorbenen Musikers Nick Drake. Dabei handelt es sich gewissermaßen um die Neuauflage des zweiten Box-Sets mit gleichem Namen, welches schon seit einigen Jahren nicht mehr im Handel erhältlich ist. Auf diesem Reissue fehlt leider die „Time of no Reply“ Kompilation, die einige unveröffentlichte Stücke und alternative Versionen bekannter Songs bot. Dafür gibt es die Dokumentation „A Skin too few“ auf einer separaten DVD. In diesem holländischen, im Jahre 2000 erschienenen, Film, kommen alle wichtigen noch lebenden Begleiter zu Wort. Mit 48 Minuten leider etwas kurz geraten, macht der Film dieses Manko mit schönen Bildern und 5.1 Sound wieder wett. Für Drake Fans ein absolutes Fest, da dieser Film bisher sonst nicht zu haben war.

Alle CDs kommen als Mini-Vinyl Ausgaben der Original-Alben. Dementsprechend sind „Five leaves left“ und „Pink Moon“ im Gatefold-Cover. Die Innenhüllen sind ebenfalls original bedruckt, selbst die verkehrte Songreihenfolge auf dem Inner-Sleeve von „Five leaves left“ wurde in ihrem Originalzustand belassen. „Bryter later“ und die DVD stecken in einem normalen Pappschuber.

Im begleitenden und schlicht designten Büchlein kommen alle wichtige Begleiter Nick Drakes zu Wort und zu jedem Track gibt es Einschätzungen und Erläuterungen vom Produzenten Joe Boyd, Arrangeur Robert Kirby und dem Engineer John Wood. Auch alle Lyrics befinden sich am Ende noch einmal vollständig abgedruckt.

Das alles steckt in einer schlichten, aber stabilen Schatulle. Für Vinyl-Freunde gibt es den gleichen Inhalt ebenfalls als Vinyl-Box, auch mit DVD und dem kleinformatigen Büchlein. So muss es sein!

Für den, der mit Nick Drake noch nicht vertraut ist, gebe ich hier noch einmal einen kurzen Überblick über seine fabelhaften Alben:

FIVE LEAVES LEFT

Seine erste Platte “Five leaves left”, der Titel Bezug nehmend auf das Ende einer Packung Zigarettenblättchen, beinhaltet schon einige von Drakes besten Songs. Sparsam instrumentiert mit Akustikgitarre, Jazz-Bass und Congas wird der Zuhörer langsam in seine einsame, traurige Welt entführt. Aufgrund der wunderbaren Melodien, findet man sich des Öfteren mit geschlossenen Augen und einem seligen Lächeln wieder, auch wenn die Texte eigentlich nicht darauf hinauszielen. Die einnehmenden Arrangements lassen aber nichts anderes zu. Robert Kirby unterlegte solche wunderbaren Songs wie „River Man“, „Way to blue“, „Day is done“, „Fruit Tree“ und dem exzeptionellen „Thoughts of Mary Jane“ mit virtuosen Streichern.

Ein sofortiger Klassiker, der die britische Folk-Legende John Martyn dazu veranlasste, Nick Drake zukünftig nur noch den „Guv´nor“ zu nennen. Die 1969 erschienene Platte war zwar bei Kritikern und in Musikerkreisen viel beachtet, der kommerzielle Durchbruch blieb aber aus. Erschwerend kann hinzu, dass Drake seine einzige Tour abbrach, da er mit den Zuschauern nicht klar kam. Diese nahmen auf seine fragile Musik keinerlei Rücksicht und er hatte keinerlei Lust (und Nerven) gegen den Geräuschpegel anzuspielen, der in den Bars herrschte. Die ständigen Pausen, die durch die verschiedenen Gitarrentunings entstanden, taten seiner Selbstsicherheit ebenfalls keinen Gefallen.

So prophezeite er schon in dem namens gebenden Song der Box:

„Fame is but a fruit tree, so very unsound. It can never flourish, till its stock is in the ground. So men of fame can never find a way, till time has flown, far from their dying day. Forgotten while you’re here, remembered for a while. A much updated ruin, from a much outdated style.”

Kein Künstler hat jemals wieder ähnliche Worte gefunden, das Dilemma eines ernsthaften Künstlers dermaßen eindringlich auszudrücken. Und Worte fand er außerhalb seiner Musik immer weniger. Sein Rückzug ins Innere begann schon damals offensiv.

BRYTER LATER

Auf dem, von Produzent Joe Boyd als einzig „perfektes Album“ bezeichnet, werden die Orchester-Arrangements in noch ausufernde Sphären entführt, ohne die Songs aber jemals zu erdrücken. Bläser triumphieren auf dem wunderbaren „Hazey Jane II“, dessen Zwitter „Hazey Jane I“ obskurer weise erst später auf der LP zu finden ist. Auf „Poor Boy“ wird Nick Drake sogar von jubilierendem weiblichem Backgroundgesang unterstützt, der den Song in seiner Aussage fast schon konterkariert: „Oh poor boy, so worried for his life. Oh poor boy, so keen to take a wife. He’s a mess but he’ll say yes, if you just dress in white.”

Dies ist weiterhin die einzige Platte auf der Drums zu finden sind, die z.B. bei „One of these things first“ für einen fluffigen Groove sorgen. Insgesamt kann man „Bryter later“ durch die relativ „klassische“ Bandbesetzung als das eingängigste und massenkompatibelste Album Nick Drakes bezeichnen. Als Gastmusiker fungiert fast die gesamte Besetzung der britischen Folk-Superband „Fairport Convention“. Selbst John Cale, der kurz zuvor VELVET UNDERGROUND verließ, ist auf zwei Songs an diversen Instrumenten zu finden. Eröffnet und beendet wird das Album mit instrumentalen Stücken, die deutlich machen welch arrivierter Komponist Nick Drake schon in seinen jungen Jahren war. Dieser Umstand kann wohl seiner musikalischen Früherziehung durch seine Mutter geschuldet werden, die ebenfalls Songwriterin war und ähnliche Akkordfolgen und Gesangslinien benutzte. Selbst ein lächelnder Nick Drake ist auf dem Innen-Sleeve zu bestaunen, natürlich von seinem Leib-Fotografen Keith Morris in Szene gesetzt.

Obwohl alle Beteiligten überzeugt waren, mit diesem Album endlich die Massen zu begeistern, verkaufte sich das Album weniger als 3000-mal… Nick Drakes Frustration begann sich immer mehr in eine schwere Depression zu verwandeln. Seine verordneten Medikamente mussten aber ebenfalls mit seinem stetigen Cannabis Konsum konkurrieren…

PINK MOON

“I saw it written and I saw it say, Pink moon is on its way. And none of you stand so tall, Pink moon gonna get you all. It’s a pink moon. It’s a pink, pink, pink, pink, pink moon.”

Kommen wir nun zu Drakes Schwanengesang „Pink Moon“, welches 1972 zur Überraschung des eigenen Labels erschienen ist. Der Sage nach erschien Nick Drake an einem Freitag bei Island Records und legte die Master-Bänder auf den Tresen der Rezeption. Dort lagen sie das ganze Wochenende unbeaufsichtigt, bis sie irgendwann im Laufe der folgenden Woche zufällig entdeckt wurden.

In knapp 29 Minuten wird der Zuhörer mit Drakes Zerrissenheit konfrontiert. In nur zwei Nächten eingespielt und lediglich auf dem Titel-Track mit einer kleinen Pianolinie begleitet, wirkt es fast so als ob sich Nick Drake seinem eigenen Schicksal stellt. Nur er und seine Akustikgitarre scheinen sich einander nahe zu stehen. Die Lyrics zu „Know“ bringen seine Gefühle der Welt und den Menschen gegenüber auf den Punkt: „Know that I love you, Know I dont care, Know that I see you, Know Im not there.“

Es ist einem einfach nicht begreiflich, wie ein Song von dieser LP für eine „Happy-Go-Lucky“- Kampagne von Volkswagen missbraucht werden konnte. Man schaue sich nur die einmal die eingangs zitierten Lyrics zu „Pink Moon“ an und man wird sofort merken, dass es keineswegs positive Schwingungen sind, die der „Pink Moon“ ausstrahlt. Aber soweit denken Werber natürlich nicht, man schaue sich nur die unsägliche Telekom Werbung an, die „Paint it Black“ von den ROLLING STONES ad absurdum führt (Man beachte das die Rechte zu diesem Song nicht bei den Stones liegen, sondern bei deren alten Manager. Ebenso gehören die Rechte zu Drakes Songs nicht seiner Familie, sondern lagen zur damaligen Zeit des Werbe-Spots wohl beim Produzenten Joe Boyd…). Aber ein Gutes hatte die Kampagne natürlich: Nick Drake verkaufte mehr Platten in einer Woche, als er es insgesamt jemals geschafft hatte. Was sein ganzes Leben natürlich noch tragischer erscheinen lässt.

1974 raffte sich Drake noch einmal auf und spielte innerhalb eines Tages vier Songs ein, darunter der für sich selbst sprechende Titel „Black Eyed Dog“. Diese Lieder erschienen auf der Kompilation „Time of no Reply“. Drake war so angeschlagen, dass er es nicht mehr schaffte sich auf das Gitarrespielen und Singen gleichermaßen zu konzentrieren, so dass Joe Boyd ungewöhnlicherweise Gitarre und Gesang separat aufnahm.

Zu mehr kam es nicht. Mit 26 Jahren verstarb Nick Drake in seinem Elternhaus, in welches er sich schon vor langer Zeit zurückzog, an einer Überdosis Anti-Depressiva. Ob gewollt oder ungewollt konnte nicht festgestellt werden. Klar war, dass Drake mit der Welt als solches schon lange abgeschlossen hatte…

Wer es bis heute nicht geschafft hat, sich mit dem Werk dieses Ausnahme-Künstlers zu beschäftigen, kann dieses mit dem vorliegenden Box-Set nachholen. Für ein bisschen über 30 Euro absolut empfehlenswert. Und wer die CDs schon hat, sollte überlegen seine alten Versionen zu verkaufen, da die Haptik doch um einiges besser als bei den normalen CD- Versionen ist. Und die gelungene Dokumentation gibt es ja ebenfalls noch dazu. Pflichtkauf für jeden wahren Musik-Connaisseur.

Nick Drake – Black Eyed Dog

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