Meta

Artist: PROPAGANDHI

Title: Supporting Caste

Label: Decca / GHVC

VÖ: bereits erschienen

Written for: Stardust Magazine

Interviews

Interview Propagandhi (Beaver + Todd)

Interview Propagandhi (Beaver + Todd)

PROPAGHANDI, die nimmermüden, schelmisch grinsenden Weltverbesserer, sind zurück! Mit in der abgewetzten Reisetasche: “Supporting Caste”, ein formschönes, dabei Grenzen zerstörendes Werk. Mit bitterer Ironie, pfeilschnellen Riffs und dianetischen Coverversionen bewaffnet, stellten sich Neuzugang David “Space Beaver” Guillas und Todd Kowalski den polemisch-inquisitorischen Fragen. Keine Frage, der Preis für den besten Nebendarsteller geht an: PROPAGANDHI!

„Die Welt braucht uns, weil sie von totalen Losern usurpiert wurde und sich nach Hengsten, wie wir es sind, sehnt, um ein neues Zeitalter der Coolness einzuläuten!“, bringt Beaver die Notwendigkeit von PROPAGANDHI auf den Punkt. „Ach, eigentlich braucht die Welt unser Gezeter nicht, aber wir haben anscheinend noch immer viel zu meckern!“, lautet Todds eher milde Selbsteinschätzung. „Die größte Veränderung in der Punk-Welt ist doch die, dass die Leute eine Band gründen, um Stars zu werden! Vor 20 Jahren war das überhaupt nicht möglich, daran zu denken, war doch schon irreal, besonders wenn man aus so einer kleinen Stadt wie wir kommt. Leute, die damals Punk waren, waren Außenseiter und spielten diese Musik, weil sie sie liebten. Das passiert heute natürlich auch noch, aber es wird schwieriger, die Schauspieler von den Ehrlichen zu unterscheiden“, beginnt Todd sein Statement zur Lage der musikalischen Fehlentwicklungen.
Und Beaver ergänzt: „Klare Sache! Jeder, der sich mit der Materie beschäftigt, wird eine zunehmende Verbindung zwischen Punk und großem Geschäft feststellen. Ich könnte dir an einer Hand die Bands abzählen, die wirklich gut sind und ihre Musik nicht nach dem ‘Flavor of the day’- oder Marketing-Gewäsch ausgerichtet haben. Kurz gesagt: ‘Punk’ ist heutzutage nichts anderes als kommerzielles Kindergewäsch!“
Und auch sonst ist David nicht gerade von der derzeitigen Generation überzeugt: „Es ist schwer, nicht zynisch zu sein und jeden als indifferenten Trottel zu sehen, der sich mehr um seine Haare oder Schuhe kümmert als um die wirklich wichtigen Dinge im Leben. Aber die Kultur des Konsums ist schon erdrückend, sie scheint sich in jeden Lebensbereich eingenistet zu haben, als ich noch ein Kind war, war dies noch nicht so ausgeprägt. Ich hatte Glück und durfte Bands wie Fugazi, Nomeansno oder PROPAGANDHI kennen lernen, die einen vernünftigen Blick auf die Dinge hatten. Wenn man sich aber unsere Gesellschaft und die Musikindustrie einmal anschaut, fürchte ich, dass eine Menge Kids nicht solch ein Glück haben. Aber ich kann mich auch irren, ich irre oft“. – „Jeder ist ein Individuum. Es gibt ehrliche Leute, die hart arbeiten, aber es wird auch immer welche geben, die gesehen und beachtet werden wollen. Daran wird sich nichts ändern“, lautet die nicht ganz so pessimistische Sichtweise von Todd.

The Pit And The Pendulum

Punk und Politik darf bei PROPAGANDHI gerne vermischt werden. Wie sieht es also aus? Wird die Menschheit Schlüsse aus der derzeitigen Rezession ziehen? „Der Kapitalismus hat schon viele Rückschläge weggesteckt, er ist ein zähes Biest! Es scheint gerade so, als ob nur die Selbstzerstörung unserer fehlgeleiteten Spezies dieses System stoppen könnte. Dennoch würde ich sagen, dass die westliche Welt zutiefst unzufrieden ist. Die Konsumgesellschaft, in der wir leben, ist so fade, ohne Sinn und externalisiert so viel von ihren Kosten auf andere Teile des Globus und zukünftige Generationen, dass es bis zu einem gewissen Grad von uns allen Tribut fordern wird. Für mich erklärt das einiges von dem Wahnsinn, der um uns herum ist, warum Menschen zu mörderischen, randalierenden Affen an Ampeln werden. Dieses Verhalten ist eine Expression für eine tiefe Unzufriedenheit mit dem Leben und unserer Schuld, die wir daran haben. Aber wir haben alle Angst, unsere eigenen Königreiche zu verlieren: unseren Besitz, unseren Wohlstand, unsere Sicherheit, unser Luxus. Es scheint, als wenn wir uns nur um die Aktionen unserer Regierungen kümmern, wenn ihre Entscheidungen unsere persönlichen kleinen Königreiche bedrohen. The western world is a selfish world. Ich hoffe, dass Obama etwas ändern kann, jedenfalls ist er nicht so ein Verrückter wie McCain oder Bush, und es gibt viele Leute, die große Hoffnungen auf ihn setzen. Unglücklicherweise ist er der Führungskopf eines Systems, das sich nur um Interessen der Firmen dreht. Wenn er mit seiner Präsidentschaft etwas erreichen will, hat er einen Wahnsinnskampf vor sich!“, räsoniert Beaver gewissenhaft.
Todd sieht es ähnlich, jedoch ohne Aussicht auf Erfolg: „Er kann nicht viel ändern, er ist Teil eines Systems, das durch und durch korrupt ist, eines Systems, das ungestraft töten darf. Ich respektiere natürlich den Geist, der von den Menschen ausgeht, die ihn gewählt haben. Aber wenn sich das System nicht ändert, wird das Pendel bald wieder in seine alte Richtung zurückschwingen und den nächsten George Bush an die Macht bringen.“

Here We Are! Rock You Like A Hurricane!

Während die meisten Bands quasi auswimpen, elektronische Spielereien in ihre Songs einbauen und immer softer werden, scheint es, dass PROPAGANDHI von Mal zu Mal härter und metallischer werden: “Haha! Ich glaube, das liegt einfach daran, dass wir mit harter Musik aufgewachsen sind und sie wirklich lieben! Ich mag keine Pop-Musik, noch nicht mal Pop Punk. Mein erstes Tape war von Judas Priest, da war ich in der fünften Klasse und habe davor jahrelang Kiss gehört. Seitdem habe ich jede Art von guter harter Musik geliebt“, schwelgt Todd gedanklich in alten Zeiten. Beaver sieht das Ganze unter den Gesichtspunkten eines Fans seiner eigenen Band: „PROPAGANDHI waren nie daran interessiert, Musik zu machen, die nicht von Herzen kommt. Deswegen war ich ja schon so ein großer Fan, bevor ich zu den Jungs in die Band kam! Sie waren schon immer anders als alle anderen Fat Wreck Chords-Bands, weil jede ihrer Platten einen Fortschritt darstellte. PROPAGANDHI haben niemals stagniert, um sich einer gewissen Szene anzubiedern, und diese Einstellung hat sich auch nach meinem Einstieg nicht geändert. Wir mögen es, schnelle, harte Musik zu spielen, die über Tiefe und Dynamik verfügt – und hoffentlich werden wir noch besser darin, dies zu erreichen.“
Und hoffentlich werden die Kanadier über lange Zeit damit erfolgreich sein, denn andere alte Helden kommen bei Todd weniger gut weg: “Metallica und AC/DC sind ziemlich nutzlos geworden. Ich habe versucht mir die neue Metallica anzuhören, es war einfach nur ein langweiliger Aufguss alter Ideen, ebenso wie bei AC/DC. Why bother?“ Beaver legt sein Veto ein: „Ich bin ein großer AC/DC-Fan! Sie werden zwar niemals wieder so gut wie in den Siebzigern und Anfang der Achtziger sein, aber sie spielen immer noch die Musik, die sie seit jeher geliebt haben. Und das respektiere ich uneingeschränkt. Metallica sollten einfach den Mund halten und in ihre Villen zurückkehren. Das neue Album ist schockierend schlecht! Wie kann eine Band, die einmal so fantastisch war, so wahnsinnig, wahnsinnig schlecht werden?“
Bevor Beaver mit schäumendem Mund Amok läuft, muss eine Frage unbedingt noch gestellt werden: Hat Chris Hannah wirklich einen so kleinen Schwanz? „Haha! Werde erwachsen! Ja, hat er…“ Und Todd ergänzt: „Ja das stimmt. Jeder fragt uns danach. Schon lustig, dass Fakten so schnell die Runde machen.“ Und falls sich jetzt noch jemand über den kryptischen Titel dieses journalistischen Tohuwabohus wundert: Es handelt sich dabei um nichts anderes als Davids voraussichtliche Lebensumstände in 30 Jahren. Man sieht: PROPAGANDHI haben noch Visionen!

Propagandhi – Back to the Motor League live
(Either JavaScript is not active or you are using an old version of Adobe Flash Player. Please install the newest Flash Player.)

  • Share/Bookmark

Discussion

No comments for “Interview Propagandhi (Beaver + Todd)”

Post a comment

You must be logged in to post a comment.