Fast schon eine self-fulfilling prophecy: Die COLD WAR KIDS gastieren in einem ehemaligen Luftschutzbunker, der heute unter anderem das Uebel & Gefährlich in Hamburg beheimatet. Mit ihrem neuen, nunmehr dritten Album „Mine is Yours“ im Gepäck spielen sie an einem zugigen Mittwochabend vor doch am Schluss noch vollem Haus ein intensives, wahnsinnig tightes Konzert. Hamburg, die Indie-Haupstadt, hat ihren jüngsten Nachwuchs in den vierten Stock des Betongebildes aus düsteren Zeiten entsandt, um sich ihre Seelen mit Soul streicheln zu lassen. Die COLD WAR KIDS sind alte Bekannte, haben sie doch genau hier auch ihr erstes von mittlerweile fünf Hansestadtgastspielen bestritten.
Nach gerade mal einem Jahr gibt es ein neues Lebenszeichen von den COLD WAR KIDS – was freue ich mich! „Behave Yourself“, die 2009er EP, hatte mich schließlich hinterhältigst mit dem CWK-Virus angefixt. Diese Tightness! Melodien, die das Herz zum Brechen bringen! Und Songzeilen, die sofort auf den Oberarm tätowiert gehören! Ja, ich habe mein Herz an die COLD WAR KIDS verloren, vergangenen Herbst. Und jetzt also schon Nachschub, fein.
Schmutziger Punk Rock, hier und da angereichert mit Post-Hardcore- und Desert Rock-Anleihen, immer auf Melodie und Tanzbarkeit bedacht, dabei stets mit Hang zum leichten Schwermut, der postwendend weggebrezelt wird – wat will man mehr?
Und so schließt sich der Kreis von hinten nach vorne über mitte links und noch mal rechts: es hagelt Hits Hits Hits – das bandintern zwischenzeitlich verhasste „7 Words“ markiert den dreckigen Rausschmeißer und versöhnt die Deftones mit einem nah am Fail gebauten Publikum und ja, auch mit ihrer eigenen Vergangenheit.
Ein Konzertabend, wie man ihn sich viel häufiger wünscht: nichts Aufregendes passiert, und doch war da diese Magie in der Luft, die sich gemeinhin Rock’n’Roll nennt.